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Artikelserie Backup-Strategien · Teil 4 von 7

Cloud-Backup — IaaS-Storage, M365-Backup, DRaaS, DSGVO

Wie Cloud-Backup im B2B funktioniert — Anbieter, Architektur, Compliance

Object Storage · SaaS-Backup · DRaaS · Datenresidenz · DSGVO · Verschlüsselung

Inhalt dieses Teils

» Was Cloud-Backup leistet
» Drei Cloud-Backup-Kategorien
» IaaS-Object-Storage (S3 & Co.)
» SaaS-Backup (M365, Google)
» DRaaS
» DSGVO & Datenresidenz
» Anbieter-Überblick
» Kostenstruktur
» FAQ & Beratung

Was Cloud-Backup im B2B leistet

In der 3-2-1-Regel verlangt der dritte Punkt eine Backup-Kopie außer Haus. Vor 15 Jahren bedeutete das: Tape in den Tresor oder zur Bank. Heute ist das in vielen Fällen ein Cloud-Repository — schneller, einfacher und ohne logistischen Aufwand. Cloud-Backup ersetzt aber nicht die lokalen Sicherungen aus Teil 3: Restore aus der Cloud kostet Bandbreite, Zeit und häufig Egress-Gebühren. Sinnvoll ist ein hybrides Konzept: lokal schnell und günstig für Daily/Weekly, Cloud für die Off-Site-Kopie und Disaster Recovery (mehr in Teil 5).

Drei Kategorien von Cloud-Backup

Wenn jemand „Cloud-Backup“ sagt, kann das drei sehr unterschiedliche Dinge meinen. Sauber unterschieden:

1. IaaS-Object-Storage Backup-Software läuft on-premise, schreibt Sicherungen in Cloud-Object-Storage (S3, Azure Blob, Wasabi, IONOS, OVH). Kontrolle über Software, Verschlüsselung, Keys. 2. SaaS-Backup Drittanbieter sichert eine SaaS-Anwendung (M365, Google Workspace, Salesforce). Keine eigene Hardware nötig — Microsoft & Google sichern die Plattform, nicht den Inhalt. 3. DRaaS Disaster Recovery as a Service: Zusätzlich zu Backup wird eine vorbereitete Failover-Umgebung in der Cloud bereitgehalten. Im Ernstfall läuft der Server-Betrieb innerhalb von Minuten weiter.

IaaS-Object-Storage als Backup-Ziel

VOLLE KONTROLLE  IMMUTABLE MÖGLICH  EGRESS-KOSTEN BEACHTEN

Die etablierten Backup-Suites (Veeam, Acronis, Veritas, Bareos) unterstützen S3-kompatibles Object Storage als Sekundär- oder Tertiär-Repository. Konkret bedeutet das: Lokal läuft das primäre Backup auf NAS, anschließend wird per „Backup Copy Job“ eine Kopie in die Cloud geschoben. Die Cloud-Kopie kann mit S3 Object Lock (WORM-Modus) versehen werden — dann ist sie für die konfigurierte Retention-Dauer unlöschbar, selbst für Administratoren mit kompromittierten Credentials. Das ist die wirksamste Verteidigung gegen Ransomware.

Kostentreiber: Storage selbst ist günstig (Wasabi/IONOS ab ca. 5 €/TB/Monat), aber Egress-Gebühren beim Restore können erheblich sein (AWS S3: ca. 0,09 €/GB nach den ersten 100 GB). Wasabi und Backblaze B2 sind hier deutlich kunden­freundlicher (kein Egress oder pauschal). Vor der Anbieter-Wahl unbedingt eine konkrete Restore-Simulation rechnen.

SaaS-Backup — Microsoft 365 und Google Workspace

PFLICHT, KEINE OPTION  VIELE UNTERSCHÄTZEN DAS

Microsoft sichert die Microsoft-365-Plattform — aber nicht Ihre Daten in der Plattform. Eine versehentlich gelöschte Mailbox, ein Verschlüsselungsangriff auf SharePoint oder die böswillige Ex-Mitarbeiter-Aktion sind klassische SaaS-Backup-Fälle. Microsoft selbst empfiehlt deshalb in den Service-Bedingungen ausdrücklich ein Drittanbieter-Backup. Der typische Funktionsumfang einer SaaS-Backup-Lösung:

  • Sicherung von Exchange Online (Mailboxen, Kalender, Kontakte)
  • Sicherung von OneDrive for Business
  • Sicherung von SharePoint Online (Sites, Listen, Dokumente)
  • Sicherung von Microsoft Teams (Chats, Files, Konfiguration)
  • Granulares Restore einzelner Items
  • Cross-Tenant-Restore (z. B. nach Migration oder Merger)

Anbieter: Veeam Backup for Microsoft 365, Acronis Cyber Protect Cloud, AvePoint Cloud Backup, Synology Active Backup for Microsoft 365 (läuft on-premise auf einem NAS), Hornetsecurity 365 Total Backup. Die Synology-Variante ist für KMU oft die wirtschaftlichste, weil keine Cloud-Subscription-Gebühren anfallen — nur das NAS und genügend Speicherplatz.

DRaaS — Disaster Recovery as a Service

RTO IM MINUTENBEREICH  PREMIUM-PREIS

DRaaS geht einen Schritt weiter als reines Cloud-Backup: Der Anbieter hält nicht nur die Sicherungen vor, sondern eine vorbereitete Failover-Umgebung. Im Schadenfall werden Ihre VMs in der Anbieter-Cloud gestartet und sind innerhalb weniger Minuten produktiv erreichbar — bis Ihre eigene Infrastruktur wiederhergestellt ist. Das löst den klassischen Konflikt zwischen niedrigem RTO und niedrigen Kosten für Standby-Hardware. Für kritische Systeme (ERP, Online-Shop, Patientendaten) eine echte Option, für Standard-Workloads häufig überdimensioniert.

DSGVO, Datenresidenz und Cloud Act

Cloud-Backup führt zu einer Auftragsverarbeitung im Sinne der DSGVO — immer. Pflicht ist deshalb mindestens:

  • AV-Vertrag mit dem Cloud-Anbieter (Art. 28 DSGVO)
  • Klarheit über Speicherorte (in der EU/EWR oder Drittland?)
  • TOM-Dokumentation (technisch-organisatorische Maßnahmen) des Anbieters
  • Verschlüsselung der Backup-Daten vor dem Upload (Client-Side Encryption mit eigenem Key)
  • Löschkonzept mit nachweisbarer Löschung am Ende der Aufbewahrung

Bei US-Hyperscalern (AWS, Azure, Google) ist außerdem der US Cloud Act relevant: US-Behörden können von US-Konzernen die Herausgabe von Daten verlangen, auch wenn diese in Europa gespeichert sind. Für besonders sensible Daten (Gesundheit, Strafverfolgung, Behörden) sind deshalb europäische Anbieter — IONOS, OVH, Hetzner, Wasabi (EU Region), Scaleway, STACKIT — in vielen Fällen die rechtssicherere Wahl. Das BSI gibt im Kriterienkatalog C5 detaillierte Anforderungen vor.

Cloud-Backup-Anbieter im Überblick

Anbieter Typ Standort Stärken
AWS S3 / GlacierIaaS Objectglobal, EU-RegionsMarktstandard, beste Tooling-Integration
Azure Blob / ArchiveIaaS Objectglobal, EU-RegionsM365-Integration, Hybrid Azure Stack
Wasabi Hot CloudIaaS ObjectEU (Amsterdam, Frankfurt)Pauschalpreis, kein Egress, S3-kompatibel
Backblaze B2IaaS ObjectUSA, EU (Amsterdam)Günstig, transparente Preise
IONOS Cloud StorageIaaS ObjectDeutschlandDSGVO-fest, deutscher Support
OVH Cloud ArchiveIaaS ColdFrankreich, DeutschlandGünstigster Cold-Storage in der EU
Veeam Cloud ConnectBackup-Servicevia Service-ProviderVollintegrierte Veeam-Lösung
Acronis Cyber CloudAll-in-Oneglobal, DE-RegionBackup + Anti-Malware integriert
Hornetsecurity 365SaaS-BackupDeutschlandM365-Spezialist, DE-Hosting

Kostenstruktur verstehen

Cloud-Backup wird häufig zur Kostenfalle, weil der Storage-Preis in den Marketing-Materialien steht, die vier weiteren Kosten-Komponenten aber nicht. Insbesondere die Egress-Gebühren werden gerne übersehen: Als Egress bezeichnet man jeden Datenverkehr, der aus dem Cloud-Rechenzentrum heraus zum Kunden fließt — also genau das, was beim Restore passiert. Ein 1-TB-Restore aus AWS S3 kostet bei einem Egress-Tarif von 0,09 €/GB schnell rund 90 € pro Restore-Vorgang — zusätzlich zu den laufenden Speicher­gebühren. Achten Sie auf die folgenden fünf Posten:

StoragePreis pro GB pro Monat. Bei Cold/Archive deutlich günstiger, aber mit Mindestaufbewahrungs-Frist.
EgressKosten für ausgehenden Datenverkehr (Restore!). Der wichtigste versteckte Kostenfaktor bei AWS/Azure/Google.
API-CallsBei kleinteiligen Backups (viele kleine Dateien) können PUT/GET-Calls signifikant werden.
Restore-GebührBei Glacier/Archive zusätzlich zur Egress noch eine „Retrieval-Fee“ pro abgerufenem GB.
LizenzenBackup-Software-Lizenz (Veeam, Acronis): pro Workload, pro Socket oder pro VM. Häufig der größte Posten.

Faustregel KMU mit 5 TB Backup-Daten in der Cloud (mit deutschem DSGVO-Anbieter, monatliche Vollsicherung): rund 50–200 €/Monat reine Storage-Kosten. Plus Backup-Software-Lizenz, plus interne Bandbreite. Für Restore eines 1 TB-Sets sollten 4–24 Stunden Bandbreite eingeplant werden.

Häufige Fragen

Reicht Cloud allein, ohne lokales Backup?

Theoretisch ja, praktisch nein. Restore aus der Cloud ist bandbreitenlimitiert — bei 1 TB und symmetrischer 100 Mbit-Leitung sprechen wir von ~24 Stunden im Idealfall. Für RTO unter einem Tag braucht es zwingend lokales Restore-Material. Cloud ist die Sekundär-/Tertiär-Schicht, nicht die primäre.

Schützt Cloud-Backup vor Ransomware?

Nur mit der richtigen Konfiguration. Eine SMB-Freigabe in die Cloud ist genauso angreifbar wie lokal. Wirksam wird Cloud-Backup als Ransomware-Schutz erst durch Object Lock / Immutability (S3 Object Lock, Azure Blob Versioning mit Legal Hold) und ein streng getrennten Cloud-Account ohne Überschneidung mit produktiven Berechtigungen.

Wer hat Zugriff auf meine Cloud-Backups?

Bei Client-seitig verschlüsselten Backups (eigener Key, der Anbieter sieht nur Chiffrate): nur Sie und ggf. Personen mit dem Schlüssel. Bei Server-seitig verschlüsselten Daten technisch auch der Anbieter und im Cloud-Act-Fall die zuständige Behörde. Für besonders sensible Daten daher zwingend Client-Side Encryption mit eigener Key-Verwaltung (KMS).

Brauche ich SaaS-Backup für M365 wirklich?

Ja. Microsoft sichert die Plattform-Verfügbarkeit, nicht Ihre Daten. Versehentliches Löschen, Ransomware in OneDrive, böswilliges Verhalten von Mitarbeitern oder fehlerhafte Skripte sind mit Microsoft-Bordmitteln nur eingeschränkt wiederherstellbar (typisch 30–90 Tage Papierkorb, keine granulare Item-Recovery, keine Cross-Tenant-Restores).

Beratung zu Cloud-Backup und hybriden Konzepten

Sie wollen ein Cloud-Backup neben Ihre lokale Sicherung aufsetzen oder prüfen, ob Ihr aktueller Schutz DSGVO-konform ist? Wir helfen bei der Anbieterauswahl und der Integration in Ihre vorhandene NAS- oder Backup-Software-Umgebung.

Telefon: +49 (0)7666 / 88499-0  ·   E-Mail: vertrieb@industry-electronics.de

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Stand: April 2026 · Lieske Elektronik · industry-electronics.de

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