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Artikelserie Backup-Strategien · Teil 3 von 7 Lokale Backup-Medien — HDD, NAS, SAN, Tape und mehrWelches Medium für welches Datenvolumen, welchen RPO und welches Budget Externe HDD · NAS · SAN · LTO-Tape · Tape-Library · RDX · Optisch |
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Inhalt dieses Teils
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Auswahl-Kriterien für das richtige Medium
Im vorigen Teil (Backup-Verfahren) ging es um die Frage wie gesichert wird. Jetzt geht es darum, wohin. Die Antwort hängt von vier Kriterien ab: Datenvolumen, RPO/RTO, Aufbewahrungsdauer und Budget. Ein NAS ist ideal für schnelle, häufige Sicherungen, ein LTO-Tape schlägt auf 5+ Jahre jeden anderen Speicher pro Gigabyte. Eine externe Festplatte am Server-USB ist als Schnell-Schiene praktisch, taugt aber nicht als einzige Backup-Strategie.
Wichtig: Lokale Medien decken in der 3-2-1-Regel typischerweise zwei der drei geforderten Kopien ab. Die dritte Kopie gehört nach außerhalb des Gebäudes — entweder per Auslagerung physischer Medien (Tape, Platte im Tresor) oder in die Cloud. Beides wird in den nächsten Teilen behandelt.
Lokale Backup-Medien im Vergleich
| Medium | Kapazität | €/TB* | Geschwindigkeit | Lebensdauer | Air-Gap? |
|---|---|---|---|---|---|
| Externe HDD | bis 24 TB | 15–30 € | USB 3 / Thunderbolt | 3–5 Jahre | ja, nach Trennen |
| NAS | bis 1 PB+ | 25–60 € | 1–25 GbE | 5–10 Jahre | nein (online) |
| SAN | bis Multi-PB | 60–200 € | FC, iSCSI, NVMe-oF | 5–10 Jahre | nein (online) |
| LTO-9-Tape | 18 TB nativ / 45 TB komprimiert | 5–10 € | 400 MB/s nativ | 30 Jahre | ja, ausgeworfen |
| RDX-Cartridge | 500 GB–5 TB | 40–80 € | SATA / USB 3 | 10 Jahre | ja, ausgeworfen |
| Blu-ray / M-Disc | 25–100 GB | 100–200 € | 12x BD-XL ~50 MB/s | 100+ Jahre (M-Disc) | ja, sofort |
* Endkundenpreise April 2026, Richtwerte. Die Preise sinken laufend, das Verhältnis untereinander ist relativ stabil.
Externe FestplattenGÜNSTIG SCHNELL TRANSPORTABEL FRAGIL Die einfachste Backup-Schiene: eine externe Festplatte am USB-Port, Backup-Software läuft, Platte wird abgezogen und in den Tresor gelegt. Für kleine Umgebungen unter 5 TB ist das eine valide Ergänzung — aber nie die einzige Strategie. USB-Platten haben kurze Lebensdauer im Dauer-Lese-/Schreibbetrieb, sind stoßempfindlich, und ein Diebstahl gefährdet alle Daten gleichzeitig (Verschlüsselung ist Pflicht). Sinnvoll als Wechselplatten-Set: 5–7 Platten im Rotationsverfahren (eine pro Wochentag), kombiniert mit verschlüsselter Speicherung und Auslagerung. Für feste Server-Umgebungen ist allerdings ein Wechselrahmen mit SAS-/SATA-Festplatten meist robuster und schneller. |
NAS — das Arbeitspferd der Mittelstands-BackupsFLEXIBEL & SCHNELL RAID-INTEGRIERT RANSOMWARE-EXPONIERT Ein Network-Attached-Storage (NAS) ist der Standard für kurzfristige Backups (Daily, Weekly): hohe Geschwindigkeit per Ethernet, Snapshot-Fähigkeit dank ZFS oder btrfs, integriertes RAID für interne Redundanz, oft eigene Backup-App des Herstellers (Synology Active Backup, QNAP NetBak, Asustor Backup). Wichtig für den Backup-Einsatz: Ein NAS, das per SMB im Tagesbetrieb mounted ist, kann von Ransomware miterwischt werden. Gegenmaßnahmen: dediziertes Backup-NAS mit eigenem AD-Account und nur während der Sicherung verbunden, Snapshot-Schutz mit unveränderbaren Aufbewahrungs-Regeln, ggf. WORM-Modus (Write Once Read Many). Dimensionierung: Faustregel ist die 3- bis 5-fache Brutto-Datenmenge der Quelle, um GFS-Schemata sauber abbilden zu können. Für 10 TB Quelldaten also 30–50 TB NAS-Brutto, je nach Retention. Bei größeren Setups ist ein Storage-Server mit mehr Disk-Slots und 10 GbE wirtschaftlicher als mehrere kleine NAS. |
SAN und DASHÖCHSTE PERFORMANCE TEUER & KOMPLEX Ein Storage Area Network (SAN) bietet Block-Level-Zugriff per Fibre Channel, iSCSI oder neuerdings NVMe-over-Fabrics. Für Backup-Zwecke meist overkill — der Mehrwert liegt primär im Produktivbetrieb (Datenbanken, VM-Storage). Als Backup-Ziel ist es dann sinnvoll, wenn ohnehin SAN-Infrastruktur existiert und ein dediziertes Volume dafür abgetrennt werden kann. Direct Attached Storage (DAS) ist die direkt am Server angeschlossene Storage-Erweiterung — per SAS-HBA, oft mit SAS-Expander-Backplane für 12 oder mehr Disks. Für einzelne Backup-Server eine sehr gute, kostengünstige Lösung mit Performance-Vorteilen gegenüber NAS. |
LTO-Tape und Tape-LibraryGÜNSTIGSTE LANGZEIT-LAGERUNG NATÜRLICHER AIR-GAP SEQUENZIELLE ZUGRIFFE Linear Tape Open ist die etablierte Enterprise-Tape-Familie. Aktuelle Generation ist LTO-9 mit 18 TB nativ pro Cartridge (45 TB komprimiert), Roadmap geht bis LTO-14 mit 576 TB pro Tape. Die LTO-Cartridges selbst sind verblüffend günstig im Vergleich zu HDD/SSD — und mit 30 Jahren Archivlebensdauer (ISO/IEC 14721) der Standard für alles, was gesetzlich aufbewahrungspflichtig ist. Tape-Library: Wo es mehr als eine Handvoll Tapes gibt, lohnt sich der Sprung von Standalone-Drive zur Tape-Library (auch: Bandspeichersystem). Ein Roboter wechselt automatisch zwischen Slots, die Library kann mehrere Drives parallel betreiben und ist via Backup-Software direkt ansteuerbar. Für mittelgroße Setups beginnen Libraries mit 8–24 Slots, Enterprise-Klassen gehen bis über 1.000 Slots (PB-Range). Air-Gap-Vorteil: Eine ausgeworfene LTO-Cartridge im Tresor ist physisch unerreichbar für Ransomware. Das ist in 2026 die schlagkräftigste Verteidigungslinie gegen Verschlüsselungs-Angriffe und der Hauptgrund, warum Tape im Mittelstand wieder massiv an Bedeutung gewinnt. |
RDX-WechselplattenEINFACH WIE EXTERNE HDD AIR-GAP FÄHIG RDX kombiniert die Bedienlogik einer Wechselplatte mit der Robustheit einer Tape-Cartridge: RDX-Cartridges (500 GB bis 5 TB) werden in ein internes oder externes Dock geschoben und vom Betriebssystem als normale Festplatte erkannt. Im Vergleich zu Tape ist der Random-Access deutlich schneller, im Vergleich zu USB-HDDs sind die Cartridges stoßfester und länger archivfähig (10 Jahre statt 3–5). Für kleine bis mittlere Umgebungen ein guter Kompromiss zwischen Bedienkomfort, Air-Gap-Fähigkeit und Kosten. |
Optische Medien — Blu-ray, M-Disc, UDONISCHENLÖSUNG · ARCHIV-EINSATZ Blu-ray (BD-R, BD-XL bis 100 GB) und vor allem die M-Disc mit 100+ Jahren Archivlebensdauer haben ihre Nische bei rechtssicherer Langzeit-Archivierung kleiner, unveränderlicher Datenmengen (Notar, Architekt, Klinik). Im Webshop verfügbar über die Kategorie Speichermedien. Für größere Umgebungen ist LTO-Tape in praktisch jeder Hinsicht überlegen. |
Häufige Fragen
Reicht ein großes NAS als einziges Backup-Ziel?
Nein. Ein einzelnes NAS verletzt zwei der drei Bedingungen der 3-2-1-Regel (nur ein Medientyp, nicht off-site). Außerdem ist ein dauerhaft online angeschlossenes NAS ein bevorzugtes Ziel von Ransomware. NAS gerne als primäres Backup, aber immer kombiniert mit Tape oder Cloud.
Lohnt sich Tape noch — das ist doch „alte Technik“?
Im Gegenteil: Mit Ransomware als größter Bedrohung und Aufbewahrungsfristen von 10 Jahren+ ist LTO-Tape heute relevanter als je. Die Roadmap (LTO-10 bis LTO-14 spezifiziert) garantiert Investitionssicherheit für mindestens das nächste Jahrzehnt. Cloud-Hyperscaler nutzen intern selbst Tape (AWS Glacier, Azure Archive Tier).
Welches Medium für ~5 TB Datenvolumen, KMU?
Klassische Empfehlung: ein 4–8-Bay-NAS mit 20–40 TB brutto als Daily-/Weekly-Ziel, plus monatliche LTO-Tapes zur Auslagerung. Investition ca. 5.000–8.000 € einmalig, deckt drei der vier typischen Anforderungen ab. Für die externe Kopie zusätzlich Cloud-Backup in Erwägung ziehen.
Wie lange hält eine LTO-Cartridge wirklich?
Hersteller geben 30 Jahre garantierte Lesbarkeit an, gemessen bei 25 °C und 50 % rH in stabiler Lagerumgebung. Erfahrungswerte bestätigen das. Wichtig: Drives sind nur abwärtskompatibel zwei Generationen — ein LTO-9-Drive liest LTO-7/8, aber kein LTO-6. Bei langer Aufbewahrung also rechtzeitig migrieren.
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Stand: April 2026 · Lieske Elektronik · industry-electronics.de
