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Artikelserie USV-Knowhow · Teil 3 von 6

USV-Dimensionierung — VA, Watt und Laufzeit richtig berechnen

Scheinleistung vs. Wirkleistung · Leistungsfaktor · Laufzeitberechnung · Redundanz

Praxisbeispiele · Berechnungsformeln · Lastermittlung · N+1-Redundanz

Inhalt dieses Teils

» VA vs. Watt: Schein- und Wirkleistung
» Lastermittlung: Was muss geschützt werden?
» Laufzeitberechnung
» Redundanzkonzepte (N+1, 2N)
» Praxisbeispiel: Kleines Rechenzentrum
» FAQ
Online-USV im Rechenzentrum zur Serverversorgung
Online-USV-Anlage im Rechenzentrum — Quelle: Wikimedia Commons (CC BY-SA)

VA vs. Watt: Scheinleistung und Wirkleistung erklärt

USV-Leistungen werden in zwei Einheiten angegeben, die häufig für Verwirrung sorgen: VA (Voltampere) und Watt (W). Der Zusammenhang:

Wirkleistung (W) = Scheinleistung (VA) × Leistungsfaktor (cos φ)
Begriff Einheit Beschreibung Typische Werte
Scheinleistung VA Geometrische Summe aus Wirk- und Blindleistung Nennleistung der USV
Wirkleistung W Tatsächlich verbrauchte Leistung 60–100 % der VA-Zahl
Leistungsfaktor cos φ Verhältnis Wirkleistung/Scheinleistung 0,6–1,0

Typische Leistungsfaktoren im B2B:

Gerätetyp cos φ Hinweis
Moderne Server, redundante Netzteile 0,95–1,0 Active PFC
PC-Netzteile (ATX), Switches 0,9–0,95 80-Plus-zertifiziert
Ältere Geräte, Transformatoren 0,6–0,8 Konservativ rechnen
Motoren, Frequenzumrichter 0,7–0,85 Induktive Last

Lastermittlung: Was muss geschützt werden?

Vor der Auswahl einer USV müssen Sie den Gesamtstrombedarf aller zu schützenden Geräte ermitteln. Datenquellen:

1. Typenschild / Datenblatt: Watt- oder VA-Angaben des Herstellers
2. Messgerät (z. B. Energiekosten-Messgerät): Realer Verbrauch unter Last
3. Tabellenwerte (Schätzung): Branchentypische Verbrauchswerte

Gerätetyp Typischer Verbrauch (W) Anmerkung
Tower-Server (1 CPU, 16 GB RAM) 100–200 W Idle/Last schwankt stark
Rack-Server (1U, 2 CPU) 200–500 W Unter Last bis 600 W
NAS (4–8 Bay) 30–80 W HDD-Anlauf kann Spitze erzeugen
24-Port-Switch (L2) 15–40 W PoE-Switch deutlich mehr
Firewall / Router 20–60 W
Monitor (24" LED) 20–35 W

Empfehlung: Planen Sie einen Sicherheitspuffer von 20–25 % auf die ermittelte Last. USV-Geräte arbeiten im optimalen Wirkungsgradbereich bei 50–80 % Auslastung — nicht bei 100 %.

Laufzeitberechnung: Wie lange hält die Batterie?

Die Überbrückungszeit hängt von drei Faktoren ab: Batteriekapazität (Ah), angeschlossener Last (W) und Batterispannung (V). Eine vereinfachte Formel:

Laufzeit (h) ≈ (Batteriekapazität Ah × Batteriespannung V × Wirkungsgrad) ÷ Last (W)

Vereinfacht für 12V/7Ah-Akku (typisch für kleine USV):
Laufzeit ≈ (7 Ah × 12 V × 0,85) ÷ Last = 71,4 ÷ Last

Beispiel: 300 W Last → 71,4 ÷ 300 = ca. 14 Minuten

In der Praxis geben Hersteller Laufzeitkurven in ihren Datenblättern an. Entscheidend: Je geringer die Last, desto länger die Laufzeit (nicht linear, da Batterien bei höherer Entladerate weniger Kapazität abgeben). Die meisten Hersteller geben Laufzeiten bei 50 %, 75 % und 100 % Last an.

Szenario Ziel Empfehlung
Geordneter Shutdown 5–15 Minuten Standard-USV mit interner Batterie ausreichend
Überbrückung bis Generator 10–30 Minuten Externe Batteriemodule (EBM) zuschalten
Dauerbetrieb ohne Generator > 1 Stunde Mehrere EBM oder große Batterieschränke, USV-Batterien
USV in Tower- und Rack-Bauform für verschiedene Einsatzbereiche
USV-Geräte in Tower- und Rack-Ausführung — Quelle: Wikimedia Commons (CC BY-SA)

Redundanzkonzepte: N+1 und 2N

Für hochverfügbare Umgebungen genügt eine einzelne USV nicht. Zwei Redundanzkonzepte sind in der Praxis verbreitet:

N+1-Redundanz

Eine zusätzliche USV steht bereit und übernimmt bei Ausfall einer aktiven Einheit. Beispiel: 3 USV für eine Last, die 2 USV benötigt. Kosteneffizient, Uptime 99,9–99,99 %.
2N-Redundanz

Zwei vollständig unabhängige USV-Systeme versorgen die Last über getrennte Leitungen. Höchste Verfügbarkeit, für Tier-III/IV-Rechenzentren. Uptime bis 99,999 %.

Modulare USV-Systeme (z. B. Effekta M-Serie, Eaton 9PX Modular, APC Symmetra) erlauben den Aufbau von N+1-Redundanz in einem einzigen Gehäuse durch Hot-Swap-fähige Leistungsmodule. USV bis 25000VA.

Praxisbeispiel: Kleines Rechenzentrum (KMU)

Gerät Anzahl Einzelleistung (W) Gesamt (W)
Rack-Server (2U, 2 CPU) 4 350 W 1.400 W
48-Port-Switch PoE 2 120 W 240 W
Firewall (Enterprise) 1 60 W 60 W
NAS (8 Bay) 1 70 W 70 W
Gesamtlast 1.770 W
+ 25 % Puffer 2.213 W
Empfohlene USV-Größe (cos φ=0,9) ≈ 3.000 VA

Ergebnis: Eine 3000-VA-Online-USV (z. B. Effekta AX 3000, Eaton 5PX 3000, APC Smart-UPS On-Line 3000) wäre hier die richtige Wahl. Für 15 Minuten Überbrückungszeit: interne Batterie reicht aus. Bei 30 Minuten: Externes Batteriemodul (EBM) hinzufügen. USV bis 3000VA.

Häufige Fragen zur USV-Dimensionierung

Darf ich eine USV mit 100 % auslasten?
Technisch ja, wirtschaftlich nein. Im optimalen Wirkungsgradbereich (50–80 % Auslastung) arbeitet die USV am effizientesten und erzeugt am wenigsten Wärme. 100 % Auslastung verkürzt die Lebensdauer der Bauteile und lässt keinen Spielraum für Anlaufströme. Faustregel: Immer 20–25 % Puffer einplanen.
Wie beeinflusst die Temperatur die Laufzeit?
Erheblich. VRLA-Bleiakkus verlieren pro 10 °C über 25 °C etwa 50 % ihrer Kapazität. Bei 35 °C Raumtemperatur läuft eine USV nur halb so lange wie im Datenblatt angegeben (bei 25 °C Referenztemperatur). Temperatur beeinflusst auch die Lebensdauer: Details in Teil 4: USV-Akkus und Wartung.
Was sind externe Batteriemodule (EBM)?
Externe Batteriemodule (EBM, auch BP = Battery Pack) sind separate Einheiten, die an kompatible USV angeschlossen werden und deren Laufzeit multiplizieren. Kompatibilität: herstellerspezifisch. Typisch: Effekta EBM, APC Smart-UPS SUA BPX, Eaton EBM. USV-Batterien und -Zubehör im Shop.
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USV bis 1000VAUSV bis 3000VAUSV bis 2000VAUSV bis 5000VAUSV-Batterien

Weitere Teile der USV-Knowhow-Serie

Teil 1: USV-Grundlagen
Teil 2: USV-Topologien
✓ Teil 3: USV-Dimensionierung (diese Seite)
Teil 4: USV-Akkus & Wartung
Teil 5: USV für Server & Netzwerk
Teil 6: USV-Hersteller im Vergleich
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