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Artikelserie WLAN komplett · Teil 3 von 6 WLAN-Kanäle & Frequenzen: 2,4 – 5 – 6 GHzKanalplanung, Bandbreiten und überlappungsfreie Kanäle für störungsfreies WLAN 2,4-GHz-Kanäle · 5-GHz-DFS-Kanäle · 6-GHz-Band · Kanalbreite 20/40/80/160/320 MHz |
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Inhalt dieses Teils
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Grundlagen: Kanal & Kanalbreite
Ein WLAN-Kanal ist ein definierter Frequenzbereich innerhalb des jeweiligen Frequenzbands. Jeder Kanal hat eine bestimmte Kanalbreite (auch: Bandbreite), die bestimmt, wie viel Spektrum er belegt und wie hoch der maximal mögliche Datendurchsatz ist.
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Kanalbreiten & Effekt: 20 MHz — Standardbreite, wenig Interferenz 40 MHz — doppelter Durchsatz, mehr Überlappung 80 MHz — für 5-GHz-WLAN üblich 160 MHz — Wi-Fi 5/6, hoher Durchsatz 320 MHz — nur Wi-Fi 7, nur 6-GHz-Band |
Faustregeln: Im 2,4-GHz-Band immer 20 MHz verwenden Im 5-GHz-Band bei hoher Dichte: 40 oder 80 MHz Im 6-GHz-Band: 80 oder 160 MHz (kaum Konkurrenz) Breitere Kanäle = höherer Durchsatz, aber weniger nicht-überlappende Kanäle Im Mehrfach-AP-Betrieb: schmale Kanäle + mehr APs |
2,4-GHz-Band: Kanäle 1–13
Das 2,4-GHz-Band bietet in Deutschland 13 Kanäle (Kanäle 12 und 13 sind in manchen Ländern, z. B. USA, nicht verfügbar). Jeder Kanal belegt 22 MHz Spektrum bei einem Kanalraster von nur 5 MHz — die meisten Kanäle überlappen sich also stark.
Nur Kanal 1, 6 und 11 sind überlappungsfrei bei 20-MHz-Kanalbreite. In Deutschland kann zusätzlich Kanal 13 als vierter überlappungsfreier Kanal im Schema 1-5-9-13 genutzt werden (Randkanäle haben geringere Überlappung).
| Kanal | Mittenfrequenz | Frequenzbereich (22 MHz) | Empfehlung |
| 1 | 2.412 MHz | 2.401–2.423 MHz | ✓ Überlappungsfrei |
| 2 | 2.417 MHz | 2.406–2.428 MHz | ✗ Überlappt mit 1+6 |
| 3 | 2.422 MHz | 2.411–2.433 MHz | ✗ Überlappt |
| 4 | 2.427 MHz | 2.416–2.438 MHz | ✗ Überlappt |
| 5 | 2.432 MHz | 2.421–2.443 MHz | ✗ Überlappt |
| 6 | 2.437 MHz | 2.426–2.448 MHz | ✓ Überlappungsfrei |
| 7 | 2.442 MHz | 2.431–2.453 MHz | ✗ Überlappt |
| 8–10 | 2.447–2.457 MHz | — | ✗ Überlappt |
| 11 | 2.462 MHz | 2.451–2.473 MHz | ✓ Überlappungsfrei (auch in USA) |
| 12 | 2.467 MHz | 2.456–2.478 MHz | Nur EU (Randbereich) |
| 13 | 2.472 MHz | 2.461–2.483 MHz | ✓ Nur EU, kaum Nutzung — für 4-Kanal-Schema (1-5-9-13) |
Empfehlung: Im 2,4-GHz-Band stets Kanal 1, 6 und 11 verwenden (Dreier-Schema). Zusätzliche APs auf Kanal 1 oder 11 statt Zwischenkanäle belegen. Quelle: Elektronik-Kompendium WLAN
5-GHz-Band: DFS-Kanäle & Kanalplanung
Das 5-GHz-Band bietet in der EU deutlich mehr nicht-überlappende Kanäle. Bei 20-MHz-Kanalbreite sind bis zu 19 nicht-überlappende Kanäle verfügbar. Ein wichtiges Konzept hier ist DFS (Dynamic Frequency Selection — dynamische Frequenzwahl):
Bestimmte 5-GHz-Kanäle werden auch von Wetterradaren und militärischen Radaren genutzt. Erkennt ein WLAN-AP ein Radar-Signal (Radar Detection), muss er den Kanal wechseln. Das kann kurze Verbindungsunterbrechungen verursachen. Geräte ohne DFS-Unterstützung dürfen DFS-Kanäle nicht selbstständig nutzen.
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UNII-1 (5.150–5.250 MHz) Kanäle 36, 40, 44, 48 Kein DFS, Innenbereich Max. 200 mW EIRP Empfehlung für Indoor-Priorisierung |
UNII-2 (5.250–5.350 MHz) Kanäle 52, 56, 60, 64 DFS + TPC erforderlich Höhere Sendeleistung möglich Radar-Scan beim Start |
UNII-2 Extended (5.470–5.725 MHz) Kanäle 100–140 DFS + TPC erforderlich Viele nicht-überlappende Kanäle Beliebt für Mehrzell-Deployments |
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UNII-3 (5.725–5.850 MHz) Kanäle 149, 153, 157, 161, 165 Kein DFS (in DE teils eingeschränkt) Bis 1 W EIRP Häufig in Consumer-Routern beliebt |
80-MHz-Kanal-Gruppen (Wi-Fi 5/6): 36+40+44+48 = 80-MHz-Block 52+56+60+64 = 80-MHz-Block 100+104+108+112 = 80-MHz-Block usw. — je 4 Kanäle à 20 MHz ergeben einen 80-MHz-Superkanal |
6-GHz-Band (Wi-Fi 6E & Wi-Fi 7)
Das 6-GHz-Band wurde in der EU ab 2021 für WLAN freigegeben (Indoor: 5.925–6.425 MHz = 500 MHz Spektrum). In einigen Ländern (USA, Brasilien, Saudi-Arabien u. a.) sind bis zu 1.200 MHz verfügbar (5.925–7.125 MHz).
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Vorteile des 6-GHz-Bands: ✓ Kaum bestehende Interferenzen (neues Band) ✓ Kein DFS nötig (keine Radar-Konflikte) ✓ Bis zu 24 nicht-überlappende 80-MHz-Kanäle (EU) ✓ 320-MHz-Kanäle für Wi-Fi 7 möglich ✓ Maximale Datenraten erreichbar |
Einschränkungen: ⚠ Nur Indoor (EU-Regelung, max. 23 dBm EIRP) ⚠ Kurze Reichweite (höhere Frequenz = mehr Dämpfung) ⚠ Nur Wi-Fi-6E- und Wi-Fi-7-Geräte fähig ⚠ Ältere Clients verbinden sich nur über 2,4/5 GHz ⚠ Outdoor-Nutzung in EU noch stark eingeschränkt |
Kanalplanung in der Praxis
In professionellen Umgebungen mit mehreren Access Points ist die Kanalplanung entscheidend für Performance und Stabilität. Grundsätzliche Empfehlungen:
| Szenario | Empfohlene Einstellung | Begründung |
| Einzelner Heimrouter (2,4 GHz) | Kanal 1, 6 oder 11 (manuell) | Den am wenigsten belegten Kanal per WLAN-Analyzer bestimmen |
| Einzelner Router (5 GHz) | 80 MHz, automatisch oder Kanal 36/40/44/48 | UNII-1-Kanäle ohne DFS, stabile Verbindung |
| Multi-AP-Deployment (2,4 GHz) | Kanal 1, 6, 11 rotierend; 20 MHz fest | Maximale Kanalreinheit, keine 40-MHz-Kanäle im 2,4-GHz-Band |
| Multi-AP (5 GHz, viel Kapazität) | 20 oder 40 MHz; viele verschiedene Kanäle | Mehr APs mit schmaleren Kanälen > wenige APs mit breiten Kanälen bei hoher Dichte |
| High-Density (Wi-Fi 6, viele Clients) | 20/40 MHz + OFDMA aktiviert | OFDMA teilt Kanalressourcen effizient auf, schmale Kanäle reduzieren Co-Channel-Interferenz |
Tools zur Kanalanalyse:
Für Windows: inSSIDer (MetaGeek) — zeigt alle sichtbaren Netzwerke, deren Kanäle und Signalstärken.
Für Android: Wi-Fi Analyzer (farproc) — kostenlos, sofort einsetzbar.
Für Profis: Ekahau Site Survey oder Acrylic Wi-Fi für professionelle WLAN-Ausleuchtungsmessungen.
Häufige Fragen zu WLAN-Kanälen
| Welcher WLAN-Kanal ist der beste? |
| Den „besten“ Kanal gibt es nicht absolut — es hängt davon ab, welche Kanäle Ihre Nachbarn und eigenen Geräte belegen. Im 2,4-GHz-Band: Kanal 1, 6 oder 11 analysieren und den am wenigsten genutzten manuell einstellen. Im 5-GHz-Band sind Kanal 36–48 (UNII-1) stabiler, weil kein DFS. |
| Was ist DFS und warum trennt sich mein WLAN plötzlich? |
| DFS (Dynamic Frequency Selection) zwingt WLAN-Geräte im 5-GHz-Band, bei Erkennung eines Radar-Signals den Kanal zu wechseln. Das kann zu einer kurzen Verbindungspause (typisch 1–10 Sekunden) führen. Vermeidung: UNII-1-Kanäle (36–48) nutzen, die kein DFS benötigen. |
| Kann ich 40-MHz-Kanäle im 2,4-GHz-Band nutzen? |
| Technisch ja, praktisch nein. 40-MHz-Kanäle im 2,4-GHz-Band belegen fast das gesamte Band und verursachen extreme Interferenzen mit Nachbarnetzwerken. Professionelle Access Points erzwingen im 2,4-GHz-Band 20 MHz. Im 5-GHz-Band sind 40, 80 oder 160 MHz sinnvoll einsetzbar. |
| Wann lohnt sich das 6-GHz-Band wirklich? |
| Das 6-GHz-Band lohnt sich, wenn Sie Wi-Fi-6E- oder Wi-Fi-7-Endgeräte einsetzen und hohe Datenraten oder niedrige Latenz benötigen (z. B. AR/VR, Videokonferenzen in der Produktion). Im reinen Büroumfeld mit gemischten Geräten bringt es kurzfristig noch wenig, da die meisten Clients das Band noch nicht unterstützen. |
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