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Artikelserie WLAN komplett · Teil 2 von 6

WLAN-Standards im Vergleich: Wi-Fi 4 bis Wi-Fi 7

IEEE 802.11n, 802.11ac, 802.11ax, 802.11be — Datenraten, Technologien und Praxistipps

MIMO · MU-MIMO · OFDMA · Beamforming · Multi-Link Operation · Wi-Fi 8 Ausblick

Inhalt dieses Teils

» Wi-Fi-Generationen im Überblick
» Wi-Fi 4 (802.11n) — der Durchbruch
» Wi-Fi 5 (802.11ac) — Gigabit-WLAN
» Wi-Fi 6 & 6E (802.11ax)
» Wi-Fi 7 (802.11be) — EHT
» Schlüsseltechnologien erklärt
» Ausblick: Wi-Fi 8 (802.11bn)
» FAQ · Beratung

Wi-Fi-Generationen im Überblick

Die Wi-Fi Alliance hat 2018 ein nummeriertes Generationensystem eingeführt, damit Verbraucher und Unternehmen die Standards leichter unterscheiden können. Die technische Basis bleibt stets der IEEE 802.11-Standard.

Wi-Fi Gen. IEEE-Standard Jahr Freq.-Band Max. Bandbreite Max. Bruttorate Schlüsseltechnik
Wi-Fi 1 802.11b 1999 2,4 GHz 22 MHz 11 Mbit/s DSSS
Wi-Fi 2 802.11a 1999 5 GHz 20 MHz 54 Mbit/s OFDM
Wi-Fi 3 802.11g 2003 2,4 GHz 20 MHz 54 Mbit/s OFDM
Wi-Fi 4 802.11n 2009 2,4 + 5 GHz 40 MHz 600 Mbit/s MIMO (4x4), Beamforming
Wi-Fi 5 802.11ac 2013 5 GHz 160 MHz 3.500 Mbit/s MU-MIMO (DL), 256-QAM
Wi-Fi 6 802.11ax 2021 2,4 + 5 GHz 160 MHz 9.600 Mbit/s OFDMA, MU-MIMO (UL+DL), BSS-Coloring, 1024-QAM
Wi-Fi 6E 802.11ax 2021 2,4 + 5 + 6 GHz 160 MHz 9.600 Mbit/s 6-GHz-Band neu (EU: 1.200 MHz Spektrum)
Wi-Fi 7 802.11be 2024 2,4 + 5 + 6 GHz 320 MHz 46.000 Mbit/s Multi-Link Op. (MLO), 4096-QAM, 16x16 MIMO

* Brutto-Raten sind theoretische Maximalwerte. Praxis-Durchsatz liegt typisch bei 40–60 % davon. Quelle: Wi-Fi Alliance / IEEE 802.11 WG

Wi-Fi 4 (802.11n) — Der Durchbruch

Mit IEEE 802.11n (2009) begann die Ära des modernen WLANs. Erstmals wurden beide Frequenzbänder (2,4 und 5 GHz) unterstützt, die Kanalbreite auf 40 MHz verdoppelt und vor allem MIMO (Multiple Input Multiple Output) eingeführt.

Was MIMO bringt:
MIMO nutzt mehrere Antennen gleichzeitig für Senden und Empfangen (z. B. 2x2, 3x3, 4x4). Mehrere räumliche Datenströme (Spatial Streams) erhöhen den Durchsatz enorm. 802.11n unterstützt bis zu 4 Spatial Streams.
Praxisrelevanz heute:
802.11n-Geräte sind noch sehr verbreitet (IoT-Sensoren, ältere Laptops, Scanner). Im Unternehmensumfeld ist 802.11n als Access-Point-Standard veraltet und sollte durch Wi-Fi 5 oder 6 ersetzt werden.

Wi-Fi 5 (802.11ac) — Gigabit-WLAN

IEEE 802.11ac (2013) konzentrierte sich auf das 5-GHz-Band, verdoppelte die Kanalbreite auf 80 MHz (optional 160 MHz) und führte MU-MIMO im Downlink sowie 256-QAM-Modulation ein. Damit wurden erstmals echte Gigabit-Throughputs erreichbar.

MU-MIMO Downlink
Der AP kann gleichzeitig an mehrere Clients senden (bis 4 Streams simultan). Deutliche Effizienzsteigerung in dichten Umgebungen.
Beamforming
Der AP richtet das Signal gezielt auf den Client aus statt gleichmäßig zu strahlen. Reichweite und Stabilität verbessern sich deutlich.
Wave 2
802.11ac Wave 2 (2016) brachte 4x4 MU-MIMO und 160-MHz-Kanäle. Noch heute in vielen professionellen APs verbaut.

Wi-Fi 6 & 6E (802.11ax) — Effizienz für dichte Umgebungen

IEEE 802.11ax (Wi-Fi 6, 2021) war eine Revolution in Sachen Effizienz. Das Ziel war nicht primär mehr Rohgeschwindigkeit, sondern bessere Performance dort, wo viele Geräte gleichzeitig online sind — Konferenzräume, Messehallen, Produktionsanlagen.

OFDMA — Der Game-Changer

Orthogonal Frequency Division Multiple Access: Der Kanal wird in viele kleine Resource Units (RUs) aufgeteilt. Der AP kann verschiedene Clients gleichzeitig im selben Kanal bedienen, statt jeden nacheinander abzufertigen. Besonders effizient für viele kleine Pakete (IoT, VoIP).
BSS Coloring

Overlapping Basic Service Sets (OBSSs) werden durch eine „Farbe“ (eine 6-Bit-ID) markiert. Geräte können so Pakete fremder Netzwerke als Hintergrundstörung ignorieren, statt das Medium komplett zu blockieren. Erhebliche Effizienzsteigerung in dicht besiedelten Funknetzlandschaften.
MU-MIMO Uplink + Downlink

Wi-Fi 6 erweitert MU-MIMO auf 8x8 und ermöglicht erstmals auch Uplink-MU-MIMO. Clients können nun gleichzeitig hochladen.
TWT — Target Wake Time

IoT-Geräte können mit dem AP vereinbaren, wann sie aufwachen und senden. Akkuverbrauch von Batteriegeräten sinkt drastisch.

Wi-Fi 6E (ebenfalls 802.11ax) erweitert das Spektrum um das neue 6-GHz-Band (in der EU: 5.925–6.425 MHz = 500 MHz; in einigen Ländern bis 7.125 MHz = 1.200 MHz). Da das 6-GHz-Band noch weitgehend leer ist, profitieren Wi-Fi-6E-Geräte von kaum belegten Kanälen und maximalen Datenraten.

Wi-Fi 7 (802.11be) — Extremely High Throughput

IEEE 802.11be (offiziell ratifiziert 2024) — von der Wi-Fi Alliance als Wi-Fi 7 vermarktet — bringt drei fundamentale Neuerungen:

Multi-Link Operation (MLO)

Ein Gerät kann gleichzeitig auf mehreren Frequenzbändern (2,4 + 5 + 6 GHz) senden und empfangen. Niedrigste Latenz, höchster Durchsatz, automatischer Failover zwischen Bändern.
320-MHz-Kanäle

Doppelte Kanalbreite gegenüber Wi-Fi 6. Nur im 6-GHz-Band möglich. Maximaldurchsatz von 46 Gbit/s (Brutto, 16x16 MIMO, 4096-QAM).
4096-QAM

Noch dichtere Modulation ermöglicht 20 % mehr Datenbits pro Symbol gegenüber 1024-QAM (Wi-Fi 6). Erfordert sehr guten SNR (Signalqualität).

Schlüsseltechnologien erklärt

Technologie Erklärung Ab Standard
OFDM Orthogonal Frequency Division Multiplexing — Kanal in viele Teilträger aufgeteilt, robust gegen Mehrwegeausbreitung 802.11a (1999)
MIMO Multiple Input Multiple Output — mehrere Antennen für mehrere räumliche Datenströme 802.11n (Wi-Fi 4)
MU-MIMO Multi-User MIMO — AP bedient mehrere Clients gleichzeitig mit verschiedenen Spatial Streams 802.11ac (Wi-Fi 5, DL)
Beamforming Strahlformung — AP richtet Sendeleistung gezielt auf den Client aus statt omnidirektional zu senden 802.11n (opt.) / 802.11ac
OFDMA Orthogonal Frequency Division Multiple Access — Kanal-Ressourcen werden auf mehrere Clients aufgeteilt 802.11ax (Wi-Fi 6)
BSS Coloring Markierung von Überlappenden BSSs durch Farb-IDs, um Spektrum effizienter zu nutzen 802.11ax (Wi-Fi 6)
MLO Multi-Link Operation — gleichzeitige Nutzung mehrerer Frequenzbänder 802.11be (Wi-Fi 7)

Ausblick: Wi-Fi 8 (802.11bn) und darüber hinaus

Die IEEE 802.11 Working Group arbeitet bereits am nächsten Standard: 802.11bn, voraussichtlich als Wi-Fi 8 vermarktet. Geplant sind Frequenzbereiche bis 60 GHz (mmWave), Koordination zwischen mehreren APs (Coordinated AP Operation) und nochmals deutlich höhere Effizienz in ultra-dichten Szenarien. Eine Ratifizierung wird frühestens 2028 erwartet.

Darüber hinaus treiben IEEE-Projekte wie 802.11az (Präzisionspositionierung, Fine Timing Measurement) und 802.11bf (WLAN-basiertes Sensing & Radar) die Anwendungsbreite des Standards weit über reine Datenübertragung hinaus.

Häufige Fragen zu WLAN-Standards

Welchen Wi-Fi-Standard sollte ich 2025 kaufen?
Für Neuanschaffungen im Unternehmensbereich empfiehlt sich Wi-Fi 6 (802.11ax) als Minimum, da rückwärtskompatibel und preislich etabliert. Wi-Fi 6E lohnt sich bei hoher Gerätedichte oder Bedarf an dem neuen 6-GHz-Band. Wi-Fi 7 ist erst sinnvoll, wenn Clients diesen Standard ebenfalls unterstützen.
Ist Wi-Fi 6 rückwärtskompatibel?
Ja. Wi-Fi 6-Access-Points sind vollständig rückwärtskompatibel zu Wi-Fi 5, 4 und älteren Standards. Ältere Clients verbinden sich mit ihrer maximal unterstützten Rate; neue Clients profitieren von OFDMA und allen Wi-Fi-6-Features.
Warum ist der reale Durchsatz viel niedriger als der Normwert?
Die angegebenen Brutto-Raten (z. B. 9.600 Mbit/s bei Wi-Fi 6) sind theoretische Maxima unter idealen Laborbedingungen mit mehreren Streams. Im Praxisbetrieb reduzieren Protokoll-Overhead, Signalqualität, Wand-Dämpfung, Interferenzen und die Anzahl aktiver Clients den Nutzdurchsatz typisch auf 40–60 % des Normwerts.
Brauche ich für Wi-Fi 6E spezielle Geräte?
Ja. Das 6-GHz-Band ist nur mit Wi-Fi-6E- oder Wi-Fi-7-zertifizierten Geräten nutzbar. Ältere Clients können sich weiterhin über das 2,4- oder 5-GHz-Band verbinden.

Beratung & Bezugsquellen

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» Glossar: Drahtlosverbindungen
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Weitere Teile dieser Serie

Teil 1: WLAN-Grundlagen
Teil 2: WLAN-Standards & Geschwindigkeiten (diese Seite)
Teil 3: WLAN-Kanäle & Frequenzen
Teil 4: WLAN-Sicherheit
Teil 5: Mesh, Repeater & WLAN-Ausleuchtung
Teil 6: WLAN optimieren & Störungen
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