AMD Ryzen CPU – besser als Intel?

Seit einigen Jahren wurde Intel auf dem CPU-Markt bezüglich der Leistung kaum bis gar keine Konkurrenz geboten. AMD zeichnete sich schon immer durch relativ preiswerte Prozessoren aus, jedoch mangelte es immer an Leistung, Innovation und Effizienz. Während Intel fast halbjährlich Revisionen und neue Modelle an Desktop- und Mobile-CPUs vorstellte und auf den Markt brachte, ließ AMD in Betracht auf Prozessoren nicht viel von sich hören. 40-45% des Marktanteils kann sich AMD zwar gutschreiben, stellte aber bislang im Mid-/High-End Bereich immer hinter Intel an.
Mit der neuen “Ryzen”-Linie, die Anfang 2017 vorgestellt wurde brüstet sich AMD nun mit günstigen und leistungsstarken Prozessoren. Ryzen zeichnet sich im Vergleich zu den vorherigen Produktlinien durch einen stark verminderten Stromverbrauch aus, was mit extremer Rechenleistung kombiniert ist.

 

Acht Kerne für kleines Geld

Wer als Nutzer einen aktuellen Prozessor mit acht Kernen haben wollte, musste wohl oder übel zu Intel und zeitgleich tief in die Tasche greifen. Mindestens 1100€ mussten für einen i7 5960X auf den Tisch gelegt werdern, um in den Genuss von 16 Threads kommen zu dürfen. AMD setzte mit Ryzen das Flagschiff, welches auf den Namen R7 1800X hört, bei 560€ an, was gerade einmal der Hälfte des Preises für eine gleichwertige Intel-CPU entspricht. Auch mit den kleineren R7 1700er Modellen bietet AMD acht Kerne inklusive SMT/Hyperthreading, die mit ihrem Preis/Leistungs-Verhältnis den Markt ordentlich aufmischen. Zwar sind die 1700er-Modelle niedriger getaktet, spannend wird der Vergleich zu gleichpreisigen Intel-Chips trotzdem, da nur einer der Intel-Quadcores Hyperthreading bietet.

Die 1700er Prozessoren der Ryzen 7-Linie unterscheiden sich technisch nicht von dem Flagschiff 1800X. Alle drei Prozessoren basieren auf acht Kernen der Zen-Architektur, die in zwei Quadcore-Cluster aufgeteilt sind. Jedes Cluster verfügt über 8 MB L3-Cache, also insgesamt 16MB. Zusätzlich dazu wurden Dual-Channel Speichercontroller verbaut, die DDR4 Speicher serienmäßig mit bis zu 2667 MHz verwalten können. Der einzige Unterschied in der Ryzen 7-Line lässt sich in den verschiedenen Taktraten feststellen, womit auch die maximale Verlustleistung um 30 Watt variiert.

 

Spezifikationen der Produktlinien Ryzen 7 & Ryzen 5

 

CPU-Kerne

Basistakt / Boost

XFR

L3-Cache

Speicher

TDP

Preis zum Launch

Ryzen 7 1800X

8 + SMT

3,6 GHz / 4,0 GHz

4,1 GHz

16 MByte

DDR4-2667

95 Watt

560 Euro

Ryzen 7 1700X

8 + SMT

3,4 GHz / 3,8 GHz

3,9 GHz

16 MByte

DDR4-2667

95 Watt

440 Euro

Ryzen 7 1700

8 + SMT

3,0 GHz / 3,7 GHz

3,75 GHz

16 MByte

DDR4-2667

65 Watt

360 Euro

Ryzen 5 1600X

6 + SMT

3,6 GHz / 4,0 GHz

4,1 GHz

16 MByte

DDR4-2667

95 Watt

300 Euro

Ryzen 5 1600

6 + SMT

3,2 GHz / 3,6 GHz

3,7 GHz

16 MByte

DDR4-2667

65 Watt

260 Euro

Ryzen 5 1500X

4 + SMT

3,5 GHz / 3,7 GHz

3,9 GHz

16 MByte

DDR4-2667

65 Watt

230 Euro

Ryzen 5 1400

4 + SMT

3,2 GHz / 3,4 GHz

3,45 GHz

8 MByte

DDR4-2667

65 Watt

200 Euro

 

Während sich passende AM4 Mainboards zusammen mit den Ryzen-CPUs auf dem Markt etablierten, entwickelten einige Mainboardhersteller schon etwaige UEFI-Optimierungen, die die Rechenleistungen der Prozessoren in Spielen und Bild-/Videobearbeitungsprogrammen wesentlich zu verbessern. Ob es sich um eine Fehlerbehebung oder eine wirkliche Verbesserung handelt, ist letztendlich egal, da sich Ryzen mittelfristig und dank anhaltender Trends ausreichend bei Consumern wiederfinden wird.

 

Ryzen vs. Kaby-Lake

Um einen echten Vergleich zwischen AMD Ryzen und Intel Kaby-Lake mit einem realen Szenario herzustellen, reichen technische Daten nicht aus. Daher wurden beide Chips unter verschiedenen Bedingungen getestet und miteinander verglichen. Die Testsysteme dafür wurden mit jeweils 16 GB RAM im Dual-Channel-Betrieb und einer GTX 1080 im Referenzdesign ausgerüstet und getestet. Die Kontrahenten sind Ryzen 7 CPUs und Intels Prozessoren aus einem jeweils gleichen Preissegment.

 

 

Zeit in Sekunden; weniger = besser

 

Punktzahl; mehr = besser

 

Punktzahl; mehr = besser

 

Beim Komprimieren in 7Zip liegen die Intel Chips um einige Sekunden vor ihren AMD-Kontrahenten. Der Vorteil der Intel Chips liegt hier in den Taktraten, was sich auch in der Single-Core-Performance in CineBench wiederspiegelt. Im Multi-Core-Test liegen die Ryzen-Chips dank 16 Threads jedoch deutlich vor den Intel Kaby-Lake Prozessoren. Auch das 1200€ Intel Flakschiff wird vom 50% günstigeren R7 1800X um knappe 100 Punkte überboten.
In verschiedenen Anwendungen kann der R7 1700X gut mit dem i7 6850K mithalten und sogar überholen, wenn es um Video-Transcoding oder Blending geht. Unterschiedlicher sind allerding die Ergebnisse der Kontrahenten R7 1700 und 7700K, weil der Intel Chip nur die Hälfte der Threads bearbeiten kann, das jedoch mit höheren IPC und Taktraten.
Software, die weniger parallelisierend arbeitet (beispielsweise Adobe Lightroom) liegt dem Ryzen-Chip nicht so gut, jedoch sind Leistungen trotzdem jenseits derer, die vorhergegangene AMD-Generationen (Vishera/Bulldozer) liefern.
Einzig der Intel i7 6950X der Broadwell-E Linie kann mit 10 Kernen und 20 Threads dem Ryzen 7 1800X bezüglich der Multicore-Rechenleisrung die Stirn bieten. Da dieser Prozessor jedoch jenseits von 1600€ liegt, wurde der Deca-Core nicht in den Vergleich implementiert.
Der Stromverbrauch der Ryzen 7 CPUs liegt im Idle bei allen 3 Chips bei ca. 37 Watt. Intels Prozessoren unterscheiden sich hingegen um gute 50%. Während die Quad-Cores 27 Watt verbrauchen, benötigen die großen Brüder i7 6850K und i7 6900K jeweils rund 55 Watt.
Unter Last zeigt sich Intels fortwahrende Effizienz wieder deutlich. Im Anspruchsvollen Grafikprogramm „Blender“ verbrauchen die Kaby-Lake Systeme um die 130 Watt, während die Ryzen-Setups zwischen 118 und 151 Watt konsumieren. Die etwas größeren Unterschiede hinsichtlich des Verbrauchs innerhalb der Ryzen 7-Line lassen sich durch die verschiedenen Taktraten und Betriebsspannungen begründen, da alle 3 AMD-Modelle auf derselben CPU basieren.

Nutzern, die das schnellste Modell der Ryzen Linie wollen, greifen hier am besten zum inzwischen 530€ teuren 1800X. Für Spieler bieten sich die kleineren Modelle 1700 und 1700X eher an, da sich diese Chips mit einer einfachen Übertaktung leicht auf das Leistungsniveau des jeweils größeren Modells anheben lassen. Aber auch ohne Übertaktung liegen die Ryzen-Chips meistens nur um wenige FPS auseinander. Auch wer nicht spielt, sondern rendert, kompiliert und transcodiert ist dieses Mal bei Intel besser aufgehoben. Die 8 Zen-Kerne des 1800X stellen dank Hyperthreading und der hohen Taktraten jeden Intel Core i7 in den Schatten.
Bezüglich des Preis/Leistungs-Verhältnisses steht der R7 1700 am besten da. Für 350€ bekommt man starke Performance mit einem einfach zu übertaktenden Chip, der dazu noch ca. 30 Watt sparsamer als die größeren Modelle ist. Wem auch 350€ noch zu viel sind, sollte einen Blick auf die Sechskerner der Ryzen 5 Line werfen.

 

Ryzen 5 als Alternative für die kleineren Ansprüche

Vor allem der 1600X der Ryzen 5 Linie wirkt attraktiv auf den Endnutzer, da der Hexacore mit 4,1 GHz arbeitet und somit dieselben Taktraten wie der 1800X aufweist. Auch wenn man die zwei Chips näher vergleicht erkennt man noch mehr Ähnlichkeiten. Beide Chips nutzen dieselben 16MB Cache und ähnliche Cluster. Eigentlich verfügen beide Chips über zwei Quadcore-Cluster, welche jeweils 8MB Cache zugeiteilt bekommen. Da es sich beim 1600X jedoch um einen Hexacore-Prozessor handelt, ist hier jeweils ein Kern pro Cluster abgeschaltet. Somit erhält man eine 3+3 Konfiguration mit gleichen Taktraten und gleich viel Cache wie der 1800X.