XLR-Stecker — symmetrisch, verriegelt, professionell
Der 3-polige Audio-Standard für Studio, Bühne, Mikrofon und Tontechnik
Der XLR-Stecker — oft auch Cannon-Stecker nach dem Erstentwickler James H. Cannon genannt — ist der zentrale Audio-Stecker im professionellen Bereich. Er ist 3-polig ausgeführt und überträgt das Audiosignal symmetrisch — das macht ihn extrem störsicher und ist die Hauptursache, warum XLR seit Jahrzehnten bei Studios, Konzerten und Rundfunk gesetzt ist.
Mechanisch zeichnet sich XLR durch zwei wichtige Eigenschaften aus: einen runden, robusten Steckkörper und eine Verriegelung, die ungewolltes Lösen während Aufführungen verhindert. Die Norm dahinter ist die IEC 61076-2-103 / DIN EN 61076-2-103.
Technische Eckdaten XLR
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Norm | IEC 61076-2-103 / DIN EN 61076-2-103 |
| Polzahl | 3 (Standard); auch 4, 5, 6, 7-polige Varianten |
| Übertragung | symmetrisch (balanced) |
| Anschluss-Geometrie | rund mit Verriegelung (Push-to-release) |
| Phantomspeisung | +48 V DC (typisch für Kondensator-Mikrofone) |
| Steckdurchmesser | 19 mm |
| Steckzyklen | > 2.000 (Studio-Standard) |
| Kabellänge | bis 100 m mit hochwertiger Verkabelung problemlos |
Pinbelegung des 3-poligen XLR
AES14-1992 normiert die Belegung Pin 1 = Masse, Pin 2 = +, Pin 3 = −. Diese Konvention wird auch „Pin 2 hot“ genannt und ist heute weltweit Standard. Ältere europäische Anlagen hatten teilweise „Pin 3 hot“ — bei Mischgebrauch das Signal-Polaritäts-Risiko beachten. |
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Was bedeutet "symmetrisch"?
Bei symmetrischer Übertragung wird das Audiosignal auf zwei Adern gleichzeitig übertragen: einmal als „heißes“ Original (Pin 2) und einmal als phaseninverse Kopie (Pin 3). Störungen, die sich während der Kabelstrecke einkoppeln (z. B. Brummen vom 50-Hz-Netz, RF-Einstreuung), wirken auf beide Adern gleich. Am Empfänger werden die beiden Signale wieder zusammengeführt — die Störung hebt sich auf, das Nutzsignal verdoppelt sich.
Genau deshalb sind 30–100 m XLR-Kabel im Stadion oder in einer Konzerthalle problemlos — selbst bei elektromagnetischer Belastung durch Lichttechnik und Verstärker-Endstufen. Bei Cinch oder Klinke (asymmetrisch) wäre das undenkbar.
Phantomspeisung +48 V
Kondensator-Mikrofone benötigen eine externe Spannungsversorgung. Über XLR wird die Phantomspeisung mit +48 V DC über Pin 2 und Pin 3 zum Mikrofon geleitet, während Pin 1 die Masse für den Spannungs-Rückweg ist. Da +48 V auf Pin 2 und 3 identisch anliegt, bleibt das Audiosignal (welches als Differenz zwischen Pin 2 und 3 ankommt) ungestört.
⚠ Phantom mit dynamischen Mikros — Vorsicht: Dynamische Mikrofone vertragen normalerweise +48 V Phantomspeisung problemlos, weil sie keine eigene Spannungsversorgung brauchen und intern keine Verbindung zwischen Pin 1 und Pin 2/3 haben. Aber: Bändchenmikrofone (ribbon) können durch Phantomspeisung zerstört werden — Phantom immer ausschalten, bevor ein Bändchen-Mic angeschlossen wird.
Typische XLR-Anwendungen
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Häufig gestellte Fragen
XLR-Kabel männlich-weiblich oder weiblich-weiblich?
Standard ist männlich-weiblich: Der weibliche Stecker geht an die Quelle (Mikrofon, Gerät mit Ausgang), der männliche an die Senke (Eingang am Mischpult). Adapterkabel männlich-männlich oder weiblich-weiblich heißen "Gender Changer".
Kann ich XLR auf Klinke adaptieren?
Ja. Drei Fälle: XLR symmetrisch ↔ TRS 6,3 mm symmetrisch (passiv): Pin 2 = Tip, Pin 3 = Ring, Pin 1 = Sleeve. XLR ↔ TS asymmetrisch: Pin 2 = Tip, Pin 3 + 1 = Sleeve (Pegel halbiert). Mit Phantomspeisung: nur mit DI-Box.
Was ist der Unterschied zwischen XLR und Speakon?
XLR ist für Line-Pegel-Audiosignale (Mikrofon, Mischpult). Speakon (NL2/NL4/NL8) ist Neutriks Lautsprecher-Stecker mit verriegelter, berührungssicherer Bauform — nur für Verbindung von Verstärker-Endstufe zur passiven Lautsprecher-Box. Niemals XLR und Speakon verwechseln.
Wie lang darf ein XLR-Kabel sein?
Praktisch unbegrenzt — bei guter Verkabelung sind 100 m Standard, einzelne Studios fahren 200 m. Bei sehr langen Kabelwegen ohne aktive Verstärker treten Pegel-Verluste auf, sind aber ausgleichbar über den Mischpult-Eingangs-Gain.
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